Arbeit & Gesundheit

Sie stärken den Rücken

Das Gesundheitszentrum „Krevital“ der Alexianer in Krefeld bringt Menschen in Bewegung: 120 Reha- und Präventionskurse finden hier wöchentlich statt.

Von den Sporttherapeuten und Geräten profitieren nicht nur Patientinnen und Patienten der Klinik, sondern auch Krefelder Bürgerinnen und Bürger und Firmen, die das „Krevital“ im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung nutzen.

Berufe, die auf die Knochen gehen, gibt es auch im Jahrhundert des Computers noch mehr als genug – von Kranken- und Pflegeberufen bis zu Tätigkeiten am Schreibtisch, Telefon und Empfang. Selbst Bus- und Straßenbahnfahrer und -fahrerinnen können ein Lied davon singen, was es für den Rücken bedeutet, den ganzen Tag auf einem vermeintlich bequemen Stuhl zu verbringen.

Jedenfalls gibt es für die Fahrerinnen und Fahrer der SWK Stadtwerke Krefeld nicht von ungefähr den Flyer „Dein Rücken sagt Danke“. Er erinnert an kleine Übungen, die gut für die Knochen und Muskeln sind: „Die Krone“, bei der sich die Fahrerinnen und Fahrer königlich aufrecht hinstellen sollen, „die Medaille“, ein Vor- und Zurückbeugen wie bei den Olympischen Spielen, „die Palme“, die man sich wie eine schwankende Pflanze im Wind vorstellen muss, und schließlich „die Schraube“; eine Übung für Becken und Oberkörper.

Kennengelernt haben sie die Übungen durch die Sporttherapeutinnen und -therapeuten von „Krevital“, dem „Institut für Gesundheitsförderung“ der Alexianer. Die kommen seit vielen Jahren regelmäßig zu den Stadtwerken ins Haus – mehr als die Hälfte der rund 3.000 Mitarbeitenden des Konzerns dürfte auf diesem Wege bereits mit „Krevital“ in Kontakt gekommen sein, ob sie nun Busse fahren, als Monteurinnen und Monteure für die Strom-, Wasser-, Gas- und Fernwärmeleitungen zuständig sind oder in der Verwaltung arbeiten.

„Krevital bietet mit den Kursen, Schulungen und Vorträgen genau das, was wir brauchen“, sagt Kommunikationsleiterin Dorothee Winkmann. „Besonders gut finden wir, dass das Krevital-Team an unseren Arbeitsplatz kommt, zum Beispiel in die Busse auf dem Betriebshof oder zu ,bewegten Pausen‘ ins Hauptgebäude.“ Der Flyer für die Busse sei natürlich nur eine Erinnerung daran, wie die erlernten Übungen im Alltag eingebaut werden können. Aber auch das hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und dem Unternehmen, das den Krankenstand niedrig halten will.

Entstanden ist das „Krevital“ 1997. „Da war es noch vor allem ein Marketing-Instrument“,  sagt der heutige Leiter Frank Weiß und erklärt die Idee von einst: „Wer die Alexianer über das Krevital kennenlernt, wählt im Krankheitsfall vielleicht auch das Krankenhaus der Alexianer.“ Parallel zu den ersten Angeboten wie Rückenschulen und Babyschwimmen organisierte man Ärzteveranstaltungen für die Öffentlichkeit, die es bis heute gibt.

Weiß passte das Angebot an die Leistungen der Klinik an, als er das „Krevital“ 2004 übernahm: „Wir gingen durch die einzelnen Abteilungen und bauten statt der Eltern-Kind-Kurse ein Reha-Sport-Angebot auf.“ Heute gibt es über sechzig Reha-Sport-Veranstaltungen pro Woche. „Ob Multiple Sklerose, Schlaganfall, Herz, Lunge, Krebs: Wir haben die passenden Sportkurse dazu und sind bei einigen Themen auch der einzige Anbieter in Krefeld.“ Ähnlich groß sei die Anzahl von Veranstaltungen im Präventionsfeld.

Gleichzeitig ist Weiß Beauftragter für das betriebliche Gesundheitsmanagement der Alexianer in Krefeld – weshalb „Gesundheitstage“ und ein fachlich begleitetes Gerätetraining für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ins Leben gerufen wurden. Es wird vom Arbeitgeber bezahlt, aber Weiß drängte trotzdem auf eine kleine finanzielle Beteiligung: „Etwas finanzieller Druck spornt die Leute schon an.“

Die größte Herausforderung im Alltag sind für ihn die ständig wechselnden gesetzlichen Vorgaben für gesundheitliche Prävention. Jeder Kurs muss einer zentralen Prüfstelle der Krankenkassen gemeldet und von ihnen genehmigt werden, „und nicht nur die Anforderungen an die Kurse, sondern auch an die Kursleiter, die künftig eine 720-stündige Grundausbildung im Bereich Sport und Gesundheit vorweisen sollen, steigen immer weiter“. Er bekommt das natürlich gestemmt, aber zu mittleren Schweißausbrüchen führt es durchaus.

Im „Krevital“ schwitzen unterdessen Menschen wie Marita Schneider, die eine regelmäßige Besucherin geworden ist. Die Sekretärin der Regionalgeschäftsführung in Krefeld besuchte das Zentrum schon vor den Nackenschmerzen, die sie vor fünf Jahren befielen, aus Interesse an Yoga- und Pilates-Kursen. „Aber so richtig dann nach dem Bandscheibenvorfall: Seitdem trainiere ich zwei Tage die Woche gleich nach der Arbeit, mit einem Trainingsplan, der auf mich zugeschnitten ist.“ Der Weg zu Umkleidekabinen und Fitnessgeräten ist bei ihr glücklicherweise so kurz, dass der innere Schweinehund klein beigeben muss.


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