Psychologinnen & Psychologen

Wie war Ihr Tag …?

Psychologinnen und Psychologen sind bei den Alexianern an den unterschiedlichsten Einrichtungen tätig. In unserer Berufswelten-Reihe erzählen einige von ihrem Alltag.

Tobias Grüner arbeitet als Neuropsychologe am Krankenhaus Maria Hilf in Krefeld. Der 32-Jährige mag die Arbeit im multiprofessionellen Team – und die Detektiv-Elemente seines Berufs.

Ich habe eine Dreiviertelstelle, was aktuell auf einen Tag von 7.30 Uhr bis 14 Uhr hinausläuft. Das war heute auch so. Ich kam ins Büro und verschaffte mir einen Überblick über neue Konsil-Anfragen – also Fälle, in denen ich als Neuropsychologe von einem Arzt um eine Einschätzung gebeten werde. Dazu zählte ein Patient, der in die „Geriatrische Komplexbehandlung“ aufgenommen wurde. Da geht es um alte Menschen, die für zwei bis drei Wochen bei uns sind und in der Regel auch an den Folgen einer neurologischen Krankheit leiden. Der eingelieferte Mann hatte einen Schlaganfall. Die entsprechenden Verletzungen haben die Ärztinnen und Ärzte im Hirn bereits gesehen, und ihre Frage an mich als Neuropsychologen ist es nun, inwiefern sich Folgen auf das Denken, Fühlen und Verhalten des Mannes nachweisen lassen.

Die neurologische Normalstation bat mich ebenfalls um Untersuchungen. Allerdings schrieb ich dann erst einmal den Bericht über einen Untersuchungstermin von gestern, und nebenher telefonierte ich mit dem Arzt einer Patientin, bei der ein Verdacht auf Multiple-Sklerose besteht. Der Termin mit der Frau stand um zehn im Terminplan, ich hatte noch Fragen, und dann war sie auch schon für anderthalb Stunden bei mir im Büro. Anschließend ging ich auf die Station. Wir haben coronabedingt derzeit nicht die übliche Teamsitzung am frühen Morgen.

Nah am Menschen arbeiten – zusammen mit anderen Disziplinen

Insgesamt hatte ich heute vier intensivere Gespräche mit Patientinnen und Patienten, davon zwei reine Konsile. Den Rest der Zeit arbeitete ich an Berichten. In einigen Fällen geht die Verschriftlichung schnell, weil alles in Ordnung oder eindeutig ist. In anderen Fällen muss ich sehr genau analysieren, differenzieren und formulieren, und manchmal sind auch umfangreiche Gutachten zu schreiben. Gerade liegt recht viel auf dem Tisch. Das machte den Tag heute etwas anstrengend.

Aber mir macht der Job im Krankenhaus und gerade die Arbeit mit Menschen im Akutbereich Spaß. Ich mag das Interdisziplinäre, bin nah am Menschen, und gleichzeitig ist es immer auch ein bisschen Detektivspiel: Gestern hatte eine Patientin bei den Tests, die ich mit ihr machte, große Probleme, Tiere inhaltlich zu sortieren. Trotzdem konnte sie problemlos Begriffe mit bestimmten Anfangsbuchstaben nennen. Je mehr Tests ich machte, umso mehr ergab sich ein Muster. Das setzte ich mit der individuellen Krankheitsgeschichte und den bereits bestehenden Befunden in Beziehung. Wenn es gut läuft, kann ich als Detektiv auf diese Weise den Fingerabdruck bestimmter Krankheiten entdecken.

Der Aha-Effekt, der sich dabei einstellt, das ist ein schöner Moment, auch wenn es inhaltlich natürlich um Dinge geht, die für den Menschen vor mir dramatisch sein können. Besagte Frau gestern leidet wahrscheinlich unter „semantischer Demenz“, was sich schon jetzt auf ihre Berufstätigkeit auswirkt. Bei der Frau heute früh konnte ich den bereits durch Untersuchungen der Ärzte bestehenden Verdacht, sie könne unter Multipler Sklerose leiden, weiter erhärten.

Im Umgang mit dem Leid, das viele Patienten betrifft, entwickelt man eine gewisse Professionalität. Manche Fälle nimmt man trotzdem mit nach Hause. Neulich saß ein Mann vor mir, der mein Alter hatte, also erst Anfang dreißig war. Er konnte sich scheinbar gut mit mir unterhalten, aber durch ein Aneurysma war er furchtbar vergesslich. Er ist ohne seine Frau schon im Supermarkt vollkommen hilflos. Wie verloren der war … Ich werde häufig gefragt, wie ich solche Begegnungen auf Dauer aushalte. Für mich ist es okay. Ich werde das unter anderem bei Spaziergängen mit meinem Hund los.

Podcast Berufswelten

Zwei Psychologinnen hören Sie in unserem Podcast „Wie war Ihr Tag ...?”: die Psychotherapeutin Catharina Görtler aus Berlin und die Neuropsychologin Johanna Möbus aus Berlin.

Dass ich nur eine Dreiviertelstelle habe, hängt unter anderem mit dem Hund zusammen: Ich muss mich nachmittags um ihn kümmern. Für die Klinik ist die reduzierte Stundenzahl kein Problem, auch nicht bei Kolleginnen und Kollegen, die es ähnlich halten, weil sie Kinder haben. Überhaupt empfinde ich die Arbeit bei den Alexianern als sehr angenehm und bereichernd. Wir Neuropsychologen, einige von uns sind auch Psychotherapeuten, ich nicht, arbeiten hier mit allen anderen Berufsgruppen auf Augenhöhe – auch mit den Ärzten, was andernorts manchmal nicht so selbstverständlich ist, wie es klingt. Die Klinik unterstützt mich aktuell auch bei der Weiterbildung zum sogenannten „klinischen Neuropsychologen“, sie bezahlt es sogar. Das gibt mir unter anderem die Möglichkeit, mich im Rahmen der Supervision, die zur Weiterbildung gehört, mit erfahrenen Neuropsychologen austauschen zu können.

Unsere Stellenangebote

In unserem Jobportal finden Sie alle Stellenangebote bei den Alexianern. Sie können nach offenen Stellen suchen, indem Sie Suchwörter eingeben oder die Filter nutzen. Mit nur wenigen Klicks können Sie sich direkt über unser Stellenportal online bewerben.


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