Hauptgeschäftsführung

Ein Erbe, das verpflichtet

Drei Fragen an die Hauptgeschäftsführung der Alexianer

Die strategische Führung der Geschäfte der Alexianer und ihre Entwicklung unter den gegenwärtigen sozialpolitischen Rahmenbedingungen werden von Hauptgeschäftsführer Andreas Barthold und Hauptgeschäftsführerin Erika Tertilt wahrgenommen. 

Drei Fragen an Andreas Barthold, Hauptgeschäftsführer

Herr Barthold, was ist das Ziel der aktuellen Wachstumsstrategie der Alexianer? Und was sind die Herausforderungen dabei?
Die Alexianer blicken auf eine 800-jährige Tradition zurück. Das ist ein Erbe, das verpflichtet. Wir möchten auch in Zukunft Menschen unterstützen, die Hilfe benötigen und ihnen professionelle und zugewandte Angebote machen. Wachstum ist in dieser Hinsicht heute ein wichtiger Aspekt. Denn die sozialpolitisch gewollte Strukturreform, insbesondere bei den Krankenhäusern, wird dazu führen, dass nicht alle Einrichtungen erhalten bleiben können. Kleine Einrichtungen werden den Anforderungen im Gesundheitswesen auf Dauer nicht mehr gewachsen sein und suchen größere Verbünde, in denen sie – vielleicht auch in anderer Form – weiter bestehen können. Als großer und starker Träger sind wir Alexianer hier gefragt. Uns ist es besonders wichtig, auch konfessionelle Häuser zu stärken und ihnen eine Zukunft zu geben. Das verstehen wir als Teil unserer Aufgabe und Verantwortung im Gesundheitsmarkt. Eine große Herausforderung dabei ist es, die richtigen Partner zu finden, die unsere bestehenden Angebote ergänzen und unsere Struktur nach vorn bringen. Denn auch wir können und wollen nur in dem Maß wachsen, dass das gesamte Unternehmen gestärkt wird.

„Uns ist es besonders wichtig, auch konfessionelle Häuser zu stärken und ihnen eine Zukunft zu geben.“

Andreas Barthold, Hauptgeschäftsführer

Warum möchten andere Einrichtungen unter das Dach der Alexianer kommen? Was macht die Alexianer für andere Einrichtungen besonders attraktiv?
In der Art und Weise, in der wir andere Unternehmen und Häuser in unseren Verbund integrieren, bleiben wir unseren Werten treu. Wir verfolgen ein starkes Regionalprinzip und eine integrative Unternehmensphilosophie. Das heißt, dass Einrichtungen in unserem Verbund weitgehend eigenständig bleiben können und ihr eigenes Charisma behalten. Das ist attraktiv, insbesondere für konfessionelle Häuser mit langen Traditionen. Gleichzeitig profitieren Einrichtungen natürlich ganz praktisch von dem Schutz und den Vorteilen eines großen, stabilen Trägers. Wir leisten Mehrwerte, die von kleinen Einrichtungen allein nicht erbracht werden können.

Welche großen Themen beschäftigen Sie aktuell am meisten?
Was mich aktuell am meisten beschäftigt, ist die Analyse der hinzukommenden Einrichtungen. Wir haben immer wieder Anfragen, viele Einrichtungen treten an uns heran. Dabei ist es mir sehr wichtig, genau hinzuschauen und zu analysieren, wie sich zum Beispiel ein Krankenhaus unter den erwarteten Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Wir übernehmen keine Häuser, um sie abzuwickeln, vielmehr  möchten wir in die Zukunft der Häuser investieren und unser gesamtes Unternehmen durch das Wachstum stärken. Deshalb haben wir uns in den letzten Jahren auch stark im Bereich der „Mergers und Acquisitions“ professionalisiert. Wir haben uns personell verstärkt und Strukturen aufgebaut, die es uns erlauben, Einrichtungen in unseren Verbund aufzunehmen und gemeinsam eine gute und passende Perspektive zu entwickeln. Trotzdem bleibt jeder Zusammenschluss und jede Kooperation immer wieder eine neue, spannende und ganz individuelle Aufgabe.

Drei Fragen an Erika Tertilt, Hauptgeschäftsführerin

Frau Tertilt, Sie sind seit etwas über einem Jahr als finanzverantwortliche Hauptgeschäftsführerin bei den Alexianern. Sie bringen Erfahrung aus großen privatwirtschaftlichen Konzernen mit. Warum brauchen auch die Alexianer ein professionelles Finanzmanagement?
Ich war bisher in Konzernen tätig, die ein Umsatzvolumen von ca. 2 bis 2,5 Milliarden Euro hatten. Der Alexianer-Verbund ist im letzten Jahr durch die Integration der Dernbacher Gruppe Katharina Kasper und des Klinikums Hochsauerland sehr stark gewachsen. Wenn man zusätzlich das Evangelische Krankenhaus Münster berücksichtigt, das wir Anfang 2021 erworben haben, weisen die Alexianer mittlerweile ein Umsatzvolumen von ca. 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro aus. Die Alexianer haben damit deutlich das Niveau eines mittelgroßen Konzerns erreicht. In dieser Größenordnung – insbesondere mit dezentralen Strukturen – ist ein professionelles Finanzmanagement unbedingt notwendig. 

Das Wachstum der Alexianer erfordert gute Strukturen für die Bereiche, für die ich verantwortlich bin: Finanzen und Controlling, IT und Digitalisierung sowie Einkauf und Dienstleistungen. Darüber hinaus weist der Alexianer-Verbund aufgrund der Vielfalt der Unternehmensbereiche Somatik, Psychiatrie, Senioren- und Eingliederungshilfe in elf Regionen eine hohe Komplexität auf. Diese kann man nur mit guten Finanz- und Controlling-Systemen managen.

Was sind die zentralen Themen und Herausforderungen der Sozialwirtschaft, mit denen Sie sich in ihrem Bereich aktuell beschäftigen?
Die Corona-Pandemie ist aktuell die größte Herausforderung für uns alle und wirkt zusätzlich als Katalysator für Entwicklungsnotwendigkeiten in vielen Prozessen. Auch im Finanzbereich spielt Corona eine große Rolle. Die Unwägbarkeiten der Pandemie führen zu einer hohen Ungewissheit bei der Erstellung von Wirtschaftsplänen und der Definition von Maßnahmen, um diese Pläne zu erreichen. Das erschwert es, die Finanzen und die Liquidität des Konzerns zu steuern und erfordert umfassende Analysen, um einen guten Überblick zu behalten.
Zusätzlich stellt das Krankenhauszukunftsgesetz mit anspruchsvollen Zielen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen sowohl eine große Chance als auch eine hohe Herausforderung im Bereich der IT dar. Die Chance liegt in der staatlichen Förderung, die die Digitalisierung von Prozessen beschleunigen wird. Die Herausforderung besteht darin, die Digitalisierungsprojekte optimal zu entwickeln und zeitgerecht umzusetzen. 
Weitere Herausforderungen ergeben sich für den zentralen Einkauf. Die Corona-Pandemie zeigt uns täglich, wie wichtig es ist, dass unsere Einrichtungen zuverlässig mit medizinischem Sachbedarf versorgt sind. Gleichzeitig haben wir erfahren, wie schnell internationale Lieferketten unterbrochen sein können. Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Einkauf arbeiten kontinuierlich an der sicheren Versorgung mit Schutzmitteln und anderem Sachbedarf.

„Für neue Einrichtungen bieten die Alexianer ein finanzielles Umfeld, das Sicherheit und Stabilität für die Entwicklung der Einrichtungen gewährt.“

Erika Tertilt, Hauptgeschäftsführerin

In welche Richtung soll sich das Finanzmanagement der Alexianer zukünftig entwickeln – und was ist daran attraktiv für Einrichtungen, die zum Alexianer-Verbund hinzukommen?
Ziel im Bereich Finanzen ist es, den kurzfristigen finanziellen Rahmen für das Tagesgeschäft und den langfristigen finanziellen Rahmen für Investitionen sicherzustellen. Für neue Einrichtungen bieten die Alexianer ein finanzielles Umfeld, das Sicherheit und Stabilität für die Entwicklung der Einrichtungen gewährt. In der Regel haben diese Einrichtungen Schwierigkeiten, allein im Gesundheitswesen zu bestehen. Im Alexianer-Verbund finden sie die Kompetenz und die Unterstützung, um ihre zukünftige Aufstellung und ihre Finanzkennzahlen zu optimieren.

Drei Fragen an Karsten Honsel, Hauptgeschäftsführer

Herr Honsel, Sie sind seit dem 1. April neues Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Alexianer. Was reizt Sie an dieser neuen Herausforderung?
Die Alexianer sind eines der größten Gesundheits- und Sozialunternehmen in Deutschland. Mit der Strategie "Alexianer 2025" haben sie sich auf den Weg gemacht, mit anorganischem Wachstum weitere Einrichtungen zu gewinnen. Das Ganze ist eingebettet in einen klaren Wertekanon und das christliche Menschenbild. Es ist eine Ehre für mich, in Zukunft meinen Beitrag für die weitere Entwicklung zu leisten.

Wie nehmen Sie die Alexianer wahr?
Die Alexianer sind in ihrem Auftreten zurückhaltend und haben ihre Weiter­entwicklung in den letzten Jahren konsequent vorangetrieben, ohne sich ins Rampenlicht zu stellen. Das empfinde ich als sehr angenehm.

Sie sind bereits seit vielen Jahren in leitender Position im Gesundheitswesen tätig. Wie können Sie diese Expertise in Ihrer jetzigen Rolle bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben einbringen?
Meine Aufgabe als drittes Mitglied der Hauptgeschäftsführung ist ja neu geschaffen. Ich verfüge über langjährige Erfahrungen im Bereich der Krankenhäuser, in der Psychiatrie, aber vor allem mit somatischen Häusern. Außerdem bin ich seit über 15 Jahren ausschließlich für Krankenhausgruppen tätig. Immer war auch das Veränderungsmanagement ein wichtiger Bestandteil meiner Aufgabe. Diese besonderen Erfahrungen bringe ich ein.


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