Phase Rot: Tina Brackmann lädt zum Innehalten und Hinterfragen ein

Während der Ausstellungseröffnung: Frank Konrad (l.) und Nikola Materne (r.), die als Duo „Bonsaipop“ den musikalischen Rahmen boten sowie die Künstlerin Tina Brackmann (2.v.l) und der Gastredner Dr. Bernd A. Gülker (2.v.r.).

, Raphaelsklinik, Münster

Im Foyer der Raphaelsklinik, Loerstraße 23, läuft aktuell die Ausstellung „Phase Rot“ der münsterischen Künstlerin Tina Brackmann. Die Ausstellung ist bis zum 13.09. täglich von 9 bis 19 Uhr zu sehen, der Eintritt ist frei. Während des Nordrhein-Westfalen-Tags am 09.08. ist die Künstlerin von 15 bis 18 Uhr vor Ort.

Mit ihrer Ausstellung zeigt die Künstlerin in der Raphaelsklinik, einem Krankenhaus des Alexianer-Verbunds, Werke, die auf den ersten Blick plakativ und farbenstark wirken, beim genaueren Hinsehen jedoch gesellschaftliche Rollenbilder, Wahrnehmung und Sprache hinterfragen. Zur Eröffnung führte der Kunsthistoriker Dr. Bernd A. Gülker in das Werk der Künstlerin ein. Der Ausstellungstitel weckt zunächst Assoziationen an Warnsignale oder rote Ampeln. Für Brackmann steht Rot jedoch vor allem für Lebenskraft und Energie – für die Kraft, den eigenen Weg auch in herausfordernden Zeiten zu finden. Diese Symbolik ziehe sich wie ein roter Faden durch die gesamte Ausstellung, wie Gülker erklärte.

Gezeigt werden zwei Werkgruppen: Stencil-Arbeiten, die mithilfe eigens angefertigter Schablonen entstehen, sowie Mixed-Media-Werke, bei denen Fotografien mit malerischen Elementen zu Collagen verschmelzen. Eine Schicht aus Epoxidharz verleiht den Arbeiten intensive Farben und räumliche Tiefe. Charakteristisch sind stark stilisierte Figuren in Schwarz-Weiß vor überwiegend roten oder blauen Hintergründen. Die Bilder konzentrieren sich auf einzelne Personen und eröffnen bewusst verschiedene Deutungsmöglichkeiten. „Mehrdeutigkeit statt Eindeutigkeit, Spannung statt Harmonie“, fasste Gülker das künstlerische Prinzip zusammen.

Als Schlüsselwerke bezeichnete er „Vision of a Heroine“ und „Alltagszirkus“. Das erste zeigt ein Mädchen, dessen Schatten die Silhouette von Pippi Langstrumpf trägt – ein Symbol für Selbstbestimmung, Mut und Unabhängigkeit. „Alltagszirkus“ zeigt dagegen eine Frau mit mehreren Armen, die gleichzeitig Kochlöffel, Laptop, Babyflasche, Hantel, Staubwedel und Lippenstift hält. Die Darstellung erinnert an Pop-Art und Werbegrafik und hinterfragt zugleich die Erwartungen an moderne Frauen zwischen Familie, Beruf und Selbstoptimierung. Immer wieder verbindet Brackmann ihre Bildsprache mit Redewendungen und Wortspielen. Sprüche wie „Das Leben ist kein Ponyhof“ oder „Alles gut“ erhalten durch die Bildkomposition neue Bedeutungen. Bild und Text ergänzen, widersprechen oder ironisieren sich gegenseitig. Ein weiteres markantes Werk ist „Faktenblind“. Es zeigt einen Mann mit den Attributen eines Blinden, dessen Armbinde jedoch den Schriftzug „Faktenblind“ trägt. Die Arbeit thematisiert bewusstes Wegsehen und verweist zugleich auf den Einfluss ihres früheren Professors Timm Ulrichs.

Trotz aller Symbolik verliert die Kunst von Tina Brackmann nie ihre Leichtigkeit. Viele Werke regten zum Schmunzeln an und belohnten Besucherinnen und Besucher, die genau hinschauen. Die Künstlerin selbst fasste ihr Schaffen mit einem Satz zusammen: „Meine Kunst und mein Leben beeinflussen sich gegenseitig.“ Genau dieses Wechselspiel macht „Phase Rot“ zu einer Ausstellung, bei der sich ein zweiter Blick immer lohnt.