Künstliche Intelligenz verändert den Klinikalltag

Vier Personen stehen vor einem großen Monitor mit der Darstellung einer Lunge
Vor der von einer KI analysierten Darstellung einer Lunge mit Rundherden (v.l.): Prof. Dr. Dirk Domagk, Dr. Maik Brandes, Prof. Dr. Johannes Wessling und Priv.-Doz. Dr. Rüdiger Liersch.

, Clemenshospital, Raphaelsklinik, Münster

Künstliche Intelligenz (KI) ist im Krankenhaus längst Realität. Sie unterstützt bereits bei der Auswertung medizinischer Bilder, der Planung von Eingriffen und der Diagnostik. Für Prof. Dr. Johannes Wessling, Chefarzt des Zentrums für Radiologie im Clemenshospital und in der Raphaelsklinik, steht fest: „Die KI wird keine Ärzte abschaffen.“ Vielmehr werde sich die Arbeit der Mediziner verändern. „Ärzte, die mit KI arbeiten, werden Ärzte abschaffen, die ohne KI arbeiten“, formuliert Wessling zugespitzt. KI sei vor allem ein Werkzeug, das vorhandene medizinische Daten besser nutzbar mache.

In der Radiologie kann die Technologie große Mengen an Bilddaten analysieren und Auffälligkeiten erkennen, die anschließend von Radiologinnen und Radiologen bewertet werden. Auch bei der Demenzdiagnostik kann KI Veränderungen im Gehirn erkennen und mit einer großen Zahl vorhandener Daten vergleichen. Die ärztliche Beurteilung bleibt dabei entscheidend. Auch die Dauer von Untersuchungen lässt sich verkürzen. Ein wesentlicher Nachteil der Magnetresonanztomografie (MRT) ist die vergleichsweise lange Untersuchungszeit. Nach Angaben Wesslings sind durch KI Verkürzungen von bis zu 50 Prozent möglich. Zugleich können Bilddaten besser ausgewertet werden. Perspektivisch könne dies auch dazu beitragen, mit weniger Röntgenstrahlung auszukommen.

Wie KI konkrete Eingriffe unterstützt, erläuterte Dr. Maik Brandes, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Bei der Behandlung kleiner Lungenrundherde kann die Technologie helfen, den geeigneten Zugangsweg zu planen. Die Herausforderung verdeutlicht Brandes mit einem Vergleich: Die Oberfläche der Lunge entspreche etwa der Größe eines Fußballfeldes, ein zu behandelnder Rundherd sei dagegen nur wenige Millimeter groß. Vor dem Eingriff können die vorhandenen Daten mithilfe von KI detailliert ausgewertet und das Vorgehen virtuell geplant werden. „Wir trauen uns jetzt mehr, kleinere und entferntere Orte anzusteuern“, sagte Brandes. Die Eingriffe würden dadurch genauer und sicherer, zudem könne sich die Narkosezeit verkürzen.

Auch in der Gastroenterologie kommt KI zum Einsatz. Prof. Dr. Dirk Domagk, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, nennt die Unterstützung bei Ultraschalluntersuchungen während der Endoskopie, der sogenannten Endosonographie. KI kann störende Signale herausfiltern und dadurch die Bildqualität verbessern. Strukturen und Auffälligkeiten lassen sich so exakter beurteilen. Domagk warnt allerdings davor, die Technologie nur positiv zu betrachten. Eine mögliche Gefahr bestehe darin, dass Ärztinnen und Ärzte ihre eigenen Fähigkeiten zur Beurteilung und Entscheidungsfindung weniger nutzen, wenn sie sich zu stark auf technische Unterstützung verlassen. Eine Studie habe entsprechende Risiken bereits aufgezeigt. Entscheidend sei deshalb, KI als Unterstützung und nicht als Ersatz für die eigene medizinische Bewertung einzusetzen.

Die Beispiele aus Radiologie, Pneumologie und Gastroenterologie zeigen: KI kommt bereits an vielen Stellen des Krankenhausalltags an. Sie kann Daten analysieren, Untersuchungen beschleunigen, Eingriffe präziser planbar machen und die Diagnostik verbessern. Die medizinische Expertise des Menschen bleibt jedoch unverzichtbar. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob KI Ärztinnen und Ärzte ersetzt, sondern wie sich technische Möglichkeiten mit ärztlicher Erfahrung und Verantwortung verbinden lassen.