Alex-Talk informierte über Hilfen für Eltern psychisch erkrankter Kinder:
„Wenn Eltern mit ihren Kindern Hilfe in unserer Klinik aufsuchen, haben sie oft schon eine längere Odyssee auf vielen anderen Ebenen hinter sich und das manchmal über mehrere Jahre“, beschreibt Dr. Sylvia Boschin, Oberärztin der Don Bosco Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Um Möglichkeiten der Hilfe und Entlastung von Eltern, deren Kindern psychisch erkrankt sind, ging es beim jüngsten AlexTalk.
Gemeinsam mit ihrem Kollegen und Stationsleiter David Render rückte die Alexianer-Expertin dabei zunächst die Ausgangslage der betroffenen Familien in den Mittelpunkt, die oftmals geprägt sei von enormen Belastungen, Erschöpfung und Stress in den Bereichen Schule, Umfeld und natürlich auch innerhalb der Familie selbst.
Verzweiflung, Scham und vor allem auch immer wieder das Thema Schuld seien dabei oft die vorrangigen Emotionen, die sie und ihre Kolleg*innen in den Gesprächen mit den betroffenen Eltern erleben.
Genau diese Schuld und auch den Druck versuchten sie und ihr Team den Eltern erst einmal zu nehmen, denn: „Die Auffälligkeiten des Kindes sind bei einer eindeutigen Diagnose in den seltensten Fällen das Resultat einer fehlerhaften Erziehung, sondern eben eine Folge der Erkrankung“.
Gleichwohl würde die Not der Eltern in vielen Fällen übersehen.
Die Herausforderungen rund um die Erkrankung des Kindes ziehe natürlich viel Energie, so dass häufig auch die Paarbeziehung leide. „Aber wir erleben auch Paare, die genau umgekehrt in der schwierigen Situation noch enger zusammenrücken“, beschrieb Boschin.
Grundsätzlich sei jede externe Hilfe, so zum Beispiel auch die von Großeltern, eine wertvolle Entlastung. „Doch man muss sich der besonderen Herausforderungen im Umgang mit dem Kind auch bewusst sein“, betonte die Expertin.
Einfach nur Beistand geben und in schwierigen Phasen da sein, sei ein guter Tipp für Freunde und Bekannte und meistens hilfreicher als gut gemeinte Ratschläge. „Denn diese machen oft nur noch zusätzlichen Druck“. Manche Eltern erlebten allerdings auch, wie Freunde zunehmend auf Distanz gingen.
Innerhalb der weiteren Helfersysteme sei eine gute Kommunikation untereinander entscheidend, um den Eltern letztlich eine klare Orientierung zu geben.
Und nicht zuletzt müsse man als Elternteil im gesamten Hilfesystem auch aufpassen, dass man nicht zum Co-Therapeuten für sein Kind werde, sondern eben Vater oder Mutter bliebe: „Die Liebe zum Kind muss an erster Stelle bleiben, denn ihr Kind ist ja so viel mehr als die Erkrankung, unter die es leidet.“
Sehr gute Erfahrungen hat das Expertenduo mit dem Angebot der Elternseminare gemacht, welche die Don Bosco Klinik seit einiger Zeit anbietet und die Eltern auch untereinander viel Verständnis und Halt geben können.
„Auch wenn es oft schwer ist, geben sie nicht vorschnell auf. Behalten Sie immer den Mut und die Hoffnung, dass Veränderungen und Verbesserungen möglich sind“, gab Boschin ihren Zuhörern des Talks mit auf den Weg.
Stream zum Nachschauen unter: www.alexianer-muenster.de/unternehmen/aktuelles/mediathek