Interessantes Ehrenamt im Herzen der Stadt

Der Koordinator des Ehrenamts an der Raphaelsklinik, Frank Schüssleder (r.) mit der Ehrenamtlichen Silke Pelchen.

, Raphaelsklinik, Münster

Manchmal liegt der letzte Krankenhausaufenthalt schon etwas länger zurück und doch bleiben die Erinnerungen daran lebendig: Neben der ärztlichen und pflegerischen Begleitung und dem Essen sind es häufig Besuche mit einem, im weitesten Sinne seelsorgerlichem Charakter, die sich einprägen: Wie gut tat es, als jemand vorbeikam und Zeit hatte. Eine Person, die sich weder aufdrängt noch wertet, sondern einfach da ist, zuhört und mit aushält: Traurigkeit, Trauer, Ärger, Wut, Hilflosigkeit. Manchmal kommt auch Gott explizit ins Spiel, oder es wird ein Gebet gesprochen.

In der Raphaelsklinik werden diese Gespräche zum großen Teil von Haupt-, jedoch auch von Ehrenamtlichen übernommen. So besuchen die beiden katholischen und die evangelische Seelsorgerin in ökumenischer Verantwortung die Patientinnen und Patienten auf den unterschiedlichen Stationen, feiern Gottesdienste und sind im Haus für ethische Fragen und auch für die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechbar.  

Die Ehrenamtlichen sind zusätzlich montags und donnerstags vormittags in der Raphaelsklinik und besuchen Patientinnen und Patienten. Sofern nötig, erledigen sie neben den Gesprächen auch kleine praktische Hilfsdienste. Sie sind in zwei festen Gruppen organisiert, sodass sie sich gegenseitig unterstützen können. Nach dem etwa 90-minütigen Dienst lassen sie bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee die Begegnungen am Krankenbett sacken und müssen so nichts mit „nach Hause“ nehmen.

Vorbereitet auf diese erfüllende und anspruchsvolle Aufgabe werden die ehrenamtlichen seelsorgerlichen Begleiterinnen und Begleiter in der Raphaelsklinik durch eine vom Bischöflichen Generalvikaritat und dem Evangelischen Kirchenkreis Münster angebotene Qualifizierung. In vier Kursblöcken (jeweils montags bis mittwochs) setzen sich die Teilnehmenden mit ihrem eigenen Glauben und ihren Fragen auseinander, üben intensiv Gespräche, entwickeln ein Seelsorgeverständnis und beschäftigen sich mit ihrer neuen Rolle als seelsorgerlich Begleitende oder Begleitender im Krankenhaus. Nach dem zweiten Kursblock beginnt der wöchentliche Einsatz in der Raphaelsklinik, der von Hauptamtlichen begleitetet wird, und in die Gruppe am Montag oder Donnerstag eingebunden ist. Ergänzend gibt es verbindliche Supervisionsgruppen.

Über die insgesamt neunmonatige Zeit vom ersten Kursblock bis zur feierlichen Zertifikatsübergabe berichtet eine ehemalige Teilnehmerin: „Am Anfang habe ich nicht gewusst, ob ich das wirklich kann mit der seelsorgerlichen Begleitung. Ich habe eine Menge Neues gelernt und viel über mich selbst erfahren. Der Aufbau des Kurses ist so durchdacht, dass alle Fragen ihren Raum hatten. Theorie und Praxis waren gut miteinander verbunden und die gemeinsame Arbeit in der Gruppe hat mich sehr bestärkt.“

Die nächste Qualifizierung beginnt Mitte Oktober in Coesfeld. Der Einsatz in der Raphaelsklinik ist nach dem zweiten Modul Anfang kommenden Jahres vorgesehen. Wer Interesse daran hat, in der Raphaelsklinik in einer netten Gruppe Menschen in schwierigen Lebens- und Glaubenslagen zu begleiten und sich über die Qualifizierung weiter informieren möchte, wende sich an Klinikseelsorger Frank Schüssleder, Tel. (0251) 5007-2282 oder Mail f.schuessleder(at)alexianer.de