Eine wichtige Botschaft stellten die Alexianer-Expertinnen gleich zu Beginn ihres Vortrags heraus: „Eltern müssen nicht perfekt sein und eine Depression allein sorgt noch nicht für eine schlechte Entwicklung des eigenen Kindes“, betonte Dr. Mariele Haverkock-Brillert.
Die Chefärztin der Juno-Tagesklinik informierte beim jüngsten AlexTalk gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Diane Lange (Leitende Psychologin) über die Hilfen für Familien in psychischen Problemlagen. Genau in diesen Fällen eröffnet nämlich die Eltern-Kind-Klinik Juno seit 2024 vielfältige Hilfen und Therapiemöglichkeiten, so zum Beispiel, wenn die Mutter, der Vater oder auch das Kind an einer Depression erkrankt ist.
„Egal wer in der Familie erkrankt ist, belastet eine solche Situation stets das gesamte Familiensystem“, beschrieb die Chefärztin und ergänzte: „Die eigenen Lebensfelder geraten ins Ungleichgewicht, denn die Erkrankung verändert auch Rollensysteme und erfordert für alle in der Familie viel Kraft“.
Daher richten sie und ihr gesamtes Team ihren Blick bei der Behandlung auch stets auf alle Familienmitglieder. Zugute komme ihnen dabei eine enge Verzahnung zu den anderen spezialisierten Alexianer-Kliniken für die verschiedenen Altersgruppen.
In ihrem Klinikalltag widmen sich die beiden Expertinnen dabei sowohl den frühkindlichen psychischen Erkrankungen angefangen vom Säuglingsalter bis hin zum Kleinkind wie auch Erkrankungen bei der Mutter oder dem Vater.
„Im Säuglings- und Kleinkindalter zeigt sich depressives Erleben etwa indirekt durch Rückzug, verminderte Lebendigkeit und Interaktionsfreude sowie Auffälligkeiten beim Schlafen, Essen und in der Entwicklung“, beschreibt Dr. Haverkock-Brillert. Und das wirke sich wiederum auf die Eltern belastend aus, die in ihrer Hilflosigkeit oft ungewollt angespannt oder passiv reagierten. „Es entsteht ein wahrer Teufelskreis, den wir zu durchbrechen versuchen“, skizierte Lange.
Genauso könne aber auch eine postpartale Depression der Mutter das Familienleben belasten. Wie sehr sich etwa eine fehlende oder unzureichende Interaktion und Mimik der Mutter auf ein Baby oder Kleinkind auswirkt, zeigte eindrucksvoll ein Video vom Still-Face-Experiment des Entwicklungspsychologen Dr. Edward Tronick. „Kinder sind in den ersten Lebensjahren auf eine feinfühlige und umfassende Kommunikation mit der Mutter angewiesen. Mimik, Gestik oder auch Körperspannung – all` das sieht, spürt und reflektiert das Kind“, skizzierte Haverkock-Brillert.
Doch egal wer in der Familie von einer psychischen Belastung betroffen sei, lautete der Rat: „Es geht dabei niemals um Schuld, viele Erkrankungen sind gut behandelbar und frühzeitige Hilfe kann viele richtige Weichen stellen.“
Stream zum Nachschauen unter: www.alexianer-muenster.de/unternehmen/aktuelles/mediathek