Die Frage nach der Finanzierung sozialer Leistungen ist legitim. Doch wer die Unterstützung für Menschen mit Behinderung primär unter Kostengesichtspunkten diskutiert, verengt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe auf eine rein betriebswirtschaftliche Rechnung. Jüngste Stimmen, wie etwa die von Kristina Schröder in der WELT, greifen diese Verkürzung auf – und werden damit der Realität von Millionen Menschen in Deutschland nicht gerecht – so positionieren sich die Alexianer aus Münster zur Debatte um Kosten für Menschen mit Behinderungen.
Leistungen für Menschen mit Behinderung sind kein „Zusatz“, den sich eine Gesellschaft je nach Kassenlage gönnt. Sie sind Ausdruck eines klaren rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Konsenses: Teilhabe, Selbstbestimmung und Würde gelten für alle Menschen gleichermaßen. Dieses Prinzip ist nicht verhandelbar.
„Menschen mit Behinderung sind kein Kostenfaktor, den man je nach Haushaltslage neu bewerten kann. Es geht um verlässliche Unterstützung, um Rechte und um die Frage, wie inklusiv unsere Gesellschaft tatsächlich sein will“, betont Dr. Christian von Klitzing, Sprecher der Hauptgeschäftsführung der Alexianer GmbH. Die Alexianer gehören zu den größten konfessionellen Trägern von Gesundheitsangeboten in Deutschland mit Wohn-, Begleitungs- und Arbeitsangeboten für mehrere Tausend Menschen mit psychischen und geistigen Behinderungen.
Investition statt Belastung
Als Wegbegleiter von Menschen mit Behinderungen vielerlei Art erleben Mitarbeitende des Unternehmens täglich, was funktionierende Unterstützung bewirkt. Frühzeitige Förderung, verlässliche Assistenz, barrierefreie Gesundheitsversorgung und inklusive Angebote ermöglichen Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben – und reduzieren langfristig Folgekosten im Gesundheits- und Sozialsystem. Wer hier spart, zahlt später mehr: durch höhere Pflegebedarfe, durch vermeidbare Krankenhausaufenthalte aber auch moralisch durch gesellschaftliche Exklusion. Ein Rückschritt – insbesondere auch vor dem Hintergrund unseres christlichen Werteverständnisses und Miteinanders.
„Jeder Euro, der für Teilhabe eingesetzt wird, ist auch ein Euro für Prävention, für Stabilität und für ein funktionierendes Gemeinwesen“, so von Klitzing weiter. Die Debatte über steigende Ausgaben greift zu kurz, wenn sie nicht gleichzeitig den steigenden Bedarf berücksichtigt. Eine alternde Gesellschaft, medizinischer Fortschritt und ein besseres Verständnis von Inklusion führen zwangsläufig dazu, dass mehr Menschen Leistungen in Anspruch nehmen. Das ist kein Systemfehler – das ist gesellschaftliche Entwicklung.
Stabile Finanzierungskonzepte
Selbstverständlich müssen Strukturen überprüft, Prozesse effizient gestaltet und Mittel verantwortungsvoll eingesetzt werden. Das gilt für alle Bereiche des Gesundheitswesens. Doch Effizienzdebatten dürfen nicht in eine grundsätzliche Infragestellung von Unterstützungsansprüchen umschlagen. „Was wir brauchen, sind kluge Lösungen und langfristige, stabile Finanzierungskonzepte – keine Eintagsfliegen, die den Eindruck erwecken, Teilhabe sei verhandelbar und Ausgaben in diesem Bereich seien unbequem“, von Klitzing weiter.
Leistungserbringer, Menschen mit Behinderungen und die Politik müssen im Austausch bleiben. Eine offene Gesellschaft zeigt sich nicht in Sonntagsreden zur Inklusion, sondern in der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen – auch finanziell. Leistungen für Menschen mit Behinderung sind kein Luxus und kein Kostenrisiko. Sie sind eine Investition in Menschlichkeit, soziale Stabilität und Zukunftsfähigkeit.
Schon seit mehr als 800 Jahren sehen sich die Alexianer der Gesundheit, Pflege, Betreuung und Förderung von Menschen verpflichtet. Auf dem Fundament dieser Tradition versteht sich das Unternehmen als Partner und Begleiter für behinderte, kranke und ältere Menschen. „Unsere Werte sind nicht verhandelbar, für uns ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes“, so Dr. Hartmut Beiker, Vorsitzender der Stiftung der Alexianerbrüder, dem Träger der bundesweiten Einrichtungen.