Fachweiterbildung Psychiatrie für Pflegekräfte

 

Psychiatrische Pflege heute

 

Die normative Orientierung an Autonomie und Selbstbestimmung ist in den letzten Jahren für die psychiatrische Pflege in allen Versorgungsstrukturen ein verbindlicher Maßstab ihres Handelns geworden. Pflegekräfte in der Psychiatrie sind heute weniger Repräsentanten eines Disziplinarsystems als Partner und Begleiter der Patienten. Das heißt, sie müssen bei ihren Interventionen deren Vorstellungen von einem guten Leben im Blick haben. Dies ist in der Psychiatrie immer wieder mit besonderen Herausforderungen verbunden. Denn die Störungen der Patienten gehen oft mit Problemen in Bezug auf Autonomie und Selbstbestimmung einher.

 

Das stellt hohe Ansprüche an die pflegerische Beziehungsgestaltung. Psychiatrisch Pflegende müssen verstehen, in welcher Weise Betroffene ihre Störungen erleben, und welche Bedeutung sie im Zusammenhang ihrer Lebensaktivitäten und ihrer Vorstellungen zu ihrem Leben für sie haben. Sie bezieht sich damit auf die Person des Patienten und begegnet ihr in ihrer Individualität. Dies impliziert einen Blick auf die Ressourcen, die der Patient mobilisieren kann, um einen Umgang mit seiner Störung zu finden bzw. um sie zu bewältigen. Pflegerisches Handeln findet eine seiner wesentlichen Bestimmungen darin, den Patienten bei der Entdeckung und Mobilisierung seiner Ressourcen zu unterstützen.

 

Die personale Dimension bestimmt den Wesenskern der psychiatrischen Pflege unabhängig von den Kontexten, in denen sie gestaltet wird. Um ihren Beitrag zu einer bedarfsorientierten psychiatrischen Versorgung zu leisten, muss die Pflege diese Kontexte jedoch gleichwohl sehr gut kennen und einen Blick über den Tellerrand der eigenen Institution hinaus werfen können.

 

Unsere Fachweiterbildung hat im Ausgang von diesen Befunden drei Schwerpunkte. Sie bietet die Möglichkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den vielen Facetten des an psychischen Beeinträchtigungen leidenden Menschen, sie fördert die Entwicklung von Kompetenzen, die zur Beziehungsgestaltung befähigen, schließlich vermittelt sie ein umfangreiches Wissen über die Kontexte der Psychiatrie.