Beruf oder Berufung

 

Nächstenliebe, Menschlichkeit und Toleranz – wer bei den Alexianern arbeitet, sollte diese Tugenden mitbringen. Im Gespräch mit Bruder Benedikt M. Ende geht es um Werte und Haltungen in unserer täglichen Arbeit.

 

Bruder Benedikt, warum bewerben sich Mitarbeiter bei den Alexianern?

 

Es ist verständlich, dass es zunächst einmal um die Existenzsicherung geht. Aber Geldverdienen ist für die meisten Menschen nicht alles. Jeder trägt auch den Wunsch nach Anerkennung, Wertschätzung, Selbstverwirklichung in sich.

 

Also sind sich die Motive der Mitarbeiter sehr ähnlich?

 

Man kann natürlich nicht alle über einen Kamm scheren. Es gibt natürlich unterschiedliche Motive und Prioritäten, um bei uns zu arbeiten. Für den einen ist es die kirchliche Ausrichtung, für den anderen das therapeutische Konzept oder die Vielfalt der Angebote.

 

Was erwarten die Alexianer von einem Bewerber?

 

Wichtig ist, dass ein Mitarbeiter neben seiner Fachlichkeit auch soziale Kompetenzen wie Empathie, Achtsamkeit und Kommunikationsbereitschaft mitbringt. Parallel dazu sollte er sich mit unserer Ausrichtung, den christlichen Werten, identifizieren können.

 

Was bedeutet das konkret?

 

Es kommt darauf an, wie wir mit Menschen umgehen und Nächstenliebe in die Tat umsetzen, den Menschen als Gottes Ebenbild betrachten. Wir brauchen keine Ellbogenmentalität. Auch wenn diese Einstellung sich in unserer Gesellschaft immer mehr durchsetzt, wir Brüder heißen sie nicht gut.

 

Arbeiten deshalb in unseren Einrichtungen viele Menschen mit unterschiedlichem kulturellem und religiösem Hintergrund?

 

Ja, das stimmt. Für uns ist Offenheit und Toleranz gegenüber Menschen mit anderen Wertorientierungen sehr wichtig. Dennoch sind wir natürlich ein kirchlicher Träger mit Beheimatung in der katholischen Kirche. Wir unterstehen auch den kirchlichen Richtlinien. Ausgangspunkt ist das Evangelium – also Jesus Christus. Bei uns muss kein Angestellter katholisch sein, wichtig ist uns aber, dass er das christliche Menschenbild teilt. Darüber hinaus freue ich mich natürlich, wenn jemand durch seinen Dienst in unserem Unternehmen eine (neue) Beziehung zu Gott bekommt. Sie ist essenziell, tritt aber leider in unserer Zeitepoche bei den meisten in den Hintergrund.

 

Mit welchen Ideologien oder Personenkreisen haben Sie Probleme?

 

Wenn bekannt ist, dass jemand zu einer extremen religiösen, politischen oder sonstigen ideologischen Gruppe gehört, würden wir ihn nicht einstellen. Extreme Gruppen, die einen starken missionarischen Drang haben und psychisch manipulieren, sind keine geeigneten Mitarbeiter für uns.

 

Bis in die 1950er-Jahre waren an fast allen Standorten Ordensbrüder vor Ort. Heute sind die Brüder nur noch in Aachen, Münster, Neuss und Siegburg ständig präsent. Kann der Geist der Alexianer dennoch in den Einrichtungen weiterleben?

 

Diesen Spagat müssen wir schaffen. Früher waren unsere Einrichtungen kleiner, die Ordensbrüder lebten mit den Bewohnern und Patienten in familienähnlichen Strukturen. Die einzigen weltlichen Mitarbeiter waren Ärzte. Im Laufe der Jahre wurden die Einrichtungen größer, die Ordensgemeinschaft wurde immer kleiner. Auch wenn wir heute nicht mehr vor Ort sein können wie früher, müssen wir auf unternehmensphilosophischer Ebene Impulse setzen. Wir sind natürlich auch ein Unternehmen, das wirtschaftlich denken muss, aber wir sind kein reiner Managementbetrieb. Die Entwicklung des einheitlichen Öffnet internen Link im aktuellen FensterLeitbildes und der
Öffnet internen Link im aktuellen FensterCharta sind ganz entscheidend und gerade sehr aktuell für unser Profil. Das Leitbild muss gelebt werden, es muss praxisnah sein und vor allem von Mitarbeitern getragen werden. Deshalb bin ich dankbar, dass so viele Mitarbeiter sich engagieren und mitmachen. Das Profil ist aber nur ein Teil, viel wichtiger ist die Identitätsfrage eines kirchlichen Unternehmens. Das Profil richtet sich mehr nach außen. Vergleichbar wäre es mit dem Erscheinungsbild einer Person oder dem äußeren Handeln. Die Identität richtet sich dagegen nach innen und ist viel wichtiger. Sie bezeichnet das, was eine Person oder Organisation in ihrem inneren Wesenskern ausmacht und sie antreibt, so zu handeln. Beides möchten wir Alexianerbrüder fördern und vorantreiben.

Alexianerbruder werden

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