Bezugspflege in der Psychotraumatologie

In den letzten Jahren ist die zentrale Bedeutung von traumatischen Erfahrungen für die Entwicklung einer Vielzahl von psychischen Störungen immer mehr in den Fokus der psychiatrischen Aufmerksamkeit gerückt. In diesem Zusammenhang hat sich als neue Form der Vermessung des psychiatrischen Gegenstandsgebietes die Psychotraumatologie herausgebildet. Während für die akademisch ausgebildeten Berufsgruppen eine Vielzahl von Qualifizierungsmöglichkeiten für diesen Bereich bestehen, sind für die zahlenmäßig größte Gruppe der Pflegekräfte bislang keine Möglichkeiten vorhanden, sich für die pflegerischen Aufgaben in diesem Bereich zu qualifizieren. Diesem Mangel wollen wir mit unserer Zusatzqualifikation entgegentreten.

Denn psychiatrische Pflege im Kontext der Versorgung von an traumatischen Störungen leidenden Patienten muss komplexen Anforderungen genügen. Der Anteil von Pflegehandlungen, die dem instrumentellen Handeln zuzuordnen ist, ist hier denkbar gering. Pflegerisches Handeln findet bei diesen Patienten in erster Linie im Bereich der Kommunikation und Interaktion statt und ist integraler Bestandteil des therapeutischen Angebotes des jeweiligen Versorgungsbereiches. Hinzu kommt, dass die individuelle Verantwortung der einzelnen Pflegekraft für die ihr zugewiesenen Patienten durch die Einführung der Bezugspflege deutlich gestiegen ist. Als Zuständige für die Pflegeplanung und die Gestaltung des Pflegeprozesses ist sie dazu verpflichtet, ihr Handeln zu begründen und die Folgen ihres Handelns systematisch zu überprüfen.

Um diese Aufgaben im Sinne einer optimalen pflegerischen Betreuung erfüllen zu können, müssen Pflegekräfte, die als Bezugspflegende für Patienten mit traumainduzierten Störungen tätig sind, dazu in der Lage sein, die Situation und die Probleme des Patienten vor dem Hintergrund seiner traumatisch bedingten Störung einzuschätzen. Des Weiteren müssen sie dazu in der Lage sein, die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen zu identifizieren und ihn dabei zu unterstützen, diese für sich nutzbar zu machen. Schließlich müssen sie dazu in der Lage sein, ihn bei der Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien in Bezug auf die Störungen, die im Zusammenhang mit den traumatischen Erfahrungen entstanden sind, zu unterstützen.

Zur Bewältigung dieser Aufgaben benötigen sie zum einen ein theoretisches Fundament in Gestalt eines vertieften psychotraumatologischen Fachwissens, zum anderen spezifische, auf die Patienten mit traumatischen Störungen bezogene Handlungskompetenzen, d.h. Fähigkeiten und Fertigkeiten zu einer Beziehungsgestaltung, die den Patienten bei der Bewältigung seiner Probleme unterstützt. Mit unserer Zusatzqualifikation wollen wir dieses Fachwissen und die erforderlichen Fertigkeiten vermitteln.

 

Ziele

  • Erwerb von Fachwissen zum Bereich Psychotraumatologie
  • Erwerb von kommunikativen Kompetenzen zur Gestaltung der Beziehung zu Patienten mit traumatischen Belastungsstörungen
  • Erwerb von Handlungskompetenzen zur Gestaltung des Pflegeprozesses bei traumainduzierten Störungen
  • Weiterentwicklung der Selbstreflexion
  • Erwerb von Fertigkeiten der Selbstfürsorge

 

Methoden

  • Seminare zur Vermittlung von Fachwissen zum Bereich der Psychotraumatologie
  • Trainings zum Einüben der kommunikativen Fertigkeiten für eine hilfreiche Beziehungsgestaltung
  • Supervision zur Stärkung der Selbstreflexion
  • Praxisreflexion zur Unterstützung bei der Implementierung der Bezugspflege in der Heimatinstitution

 

Inhalte

  • Modul I: Theoretische Grundlagen und Definition des Tätigkeitsfeldes
  • Modul II: Stabilisierung als zentrales Aufgabenfeld der Bezugspflege in der Psychotraumatologie
  • Modul III: Begleitung bei der Traumaverarbeitung und -integration als ko-therapeutische Aufgabe in der Bezugspflege
  • Modul IV: Supervision mit rollen- und aufgabenspezifischer Selbstreflexion
  • Modul V: Implementierung der Bezugspflege für Psychotraumatologie in verschiedene Bereiche der psychiatrischen Versorgung

 

Gesamtumfang

80 Stunden à 45 Minuten incl. 20 Stunden Supervision

 

 Voraussetzungen

  • Staatsexamen als Krankenschwester/ Krankenpfleger oder Altenpfleger/in
  • Mindestens 3 Jahre Erfahrung als Krankenschwester oder Krankenpfleger im Fachbereich Psychiatrie und Psychotherapie, im Fachbereich für Kinder und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie oder in der Gerontopsychiatrie

 

Zielgruppen

  • Examinierte Krankenschwestern und –pfleger in allen Bereichen der psychiatrischen Versorgung
  • Examinierte Kinderkrankenschwestern und -pfleger in allen Bereichen der Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Examinierte Altenpflegerinnen und –pfleger in Einrichtungen der gerontopsychiatrischen Versorgung
  • Fachpflegekräfte Psychiatrie

 

Rahmenbedingungen

Die Zusatzqualifikation wird berufsbegleitend durchgeführt. Sie wird in sechs Wochenendseminaren à 12 Stunden durchgeführt, die sich über einen Zeitraum von 1,5 Jahren erstrecken.

 

Weiterbildungsstätten

Institut für Fort- und Weiterbildung der Alexianer

Große Hamburger Str. 5-11

10115 Berlin

 

Alexianer-Krefeld GmbH

Institut für Psychotraumatologie

Oberdießener Str. 136

47805 Krefeld

 

Kooperation

Die Zusatzqualifikation Bezugpflege in der Psychotraumatologie wird in Kooperation mit dem Alexianer-Institut für Psychotraumatologie durchgeführt.

 

Zertifizierung

Die Zertifizierung erfolgt durch das Alexianer-Institut für Psychotraumatologie.  

 

Kursleitung

Dr. phil. Angelika Pillen (Berlin), PD Dr. Robert Bering (Krefeld)

 

Lehrgangskosten

960,- € für 80 Stunden à 45 Minuten incl. 20 Stunden Supervision

 

Beginn

Berlin: März 2012

Krefeld: November 2012

 

 

Kontakt

Institut für Fort- und Weiterbildung der Alexianer

Krausnickstr. 12 A
10115 Berlin

So finden Sie uns

Leitung:
Dr. Angelika Pillen
Tel. : (0 30) 4 00 37 25 30
Fax: (0 30) 4 00 37 25 39E-Mail
Koordination:

Nora Helmer
Tel. : (0 30) 4 00 37 25 31
Fax: (0 30) 4 00 37 25 39
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