Fachweiterbildung Psychiatrie
Psychiatrische Pflege findet längst nicht mehr ausschließlich im Krankenhaus statt, sondern hat mit der Schaffung der gesetzlichen Grundlage für die ambulante psychiatrische Pflege explizit einen zusätzlichen Wirkungsbereich erhalten. Da dieser Bereich erst aufgebaut werden muss, hat sie ungeachtet der Begrenzungen durch die ökonomischen Rahmenbedingungen hiermit eine neue Herausforderung mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten erhalten.
Aber auch die stationäre psychiatrische Pflege ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Hier zwingt die Verknappung der Ressourcen dazu, die pflegerische Arbeit neu zu strukturieren und die verbliebenen Ressourcen zielgenau einzusetzen. Zudem macht die Verkürzung der Verweildauern es notwendig, den Blick über den Tellerrand der eigenen Institution hinaus zu richten und gemeinsam mit den anderen Berufsgruppen eine gute Zusammenarbeit mit den außerklinischen Versorgungsstrukturen herzustellen.
Erfreulicherweise hat die Pflege in den letzten Jahren einen Professionalisierungsschub erfahren, der ihr eine eigene, von ihren Aufgaben her bestimmte Kontur verliehen hat. Im Unterschied zur Medizin, die sich vor allem mit der Krankheit beschäftigt, hat die Pflege es mit dem Kranksein der Patienten zu tun und mit den Beeinträchtigungen, die durch die Krankheit bei der Bewältigung des täglichen Lebens entstehen. Dabei bezieht sie sich auf die Person des Patienten.
Im Zentrum des pflegerischen Handelns zumal im psychiatrischen Kontext steht die Beziehungsgestaltung. Um eine Beziehung so zu gestalten, dass sie eine förderliche Wirkung für den Patienten hat, müssen Pflegende in der Psychiatrie verstehen, in welcher Weise der psychiatrisch erkrankte Mensch die Krankheit erlebt und welche Bedeutung sie für ihn im Zusammenhang seiner Lebensaktivitäten hat. Neben den krankheitsbedingten Beeinträchtigungen nimmt sie dabei stets auch die Ressourcen in den Blick, die der Patient zu mobilisieren vermag, um einen Umgang mit seiner Krankheit zu finden bzw. um sie zu bewältigen. Pflegerisches Handeln findet eine seiner wesentlichen Bestimmungen darin, den Patienten bei der Entdeckung und bei der Mobilisierung seiner Ressourcen zu unterstützen.
Diese personale Dimension bestimmt den Wesenskern der psychiatrischen Pflege unabhängig von den Kontexten, in denen sie gestaltet wird. Unsere Fachweiterbildung stellt sie aus diesem Grunde in den Mittelpunkt und widmet der Entwicklung von Kompetenzen, die zur Beziehungsgestaltung befähigen, ihre ganz besondere Aufmerksamkeit.
Ungeachtet der Bedeutung, die wir der personalen Dimension in der psychiatrischen Pflege beimessen, steht jedoch außer Frage, dass die Kontexte der Psychiatrie ein ebenso großes Gewicht haben. Professionelle psychiatrische Pflege muss die Kontexte der Psychiatrie und die psychiatrischen Versorgungsstrukturen sehr genau kennen, um dem psychisch erkrankten Menschen eine an seinen Bedarfen orientierte Versorgung zu ermöglichen. In dieser Kontextbezogenheit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung des Erbes der sozialpsychiatrischen Tradition.
Merkmale der Fachweiterbildung „Psychiatrie für Pflegekräfte“
Die Fachweiterbildung „Psychiatrie für Pflegekräfte“
- richtet sich an Pflegekräfte in allen Bereichen der psychiatrischen Versorgung
- ist institutionenübergreifend angelegt
- zentriert sich auf die pflegerische Beziehungsgestaltung
- enthält eine Vielfalt von Trainings zur Entwicklung von kommunikativen Kompetenzen
- gibt Möglichkeit zur selbständigen Erarbeitung von Themen durch Projektarbeit
- vermittelt ein breites Wissen über die psychiatrischen Versorgungsstrukturen
- vermittelt aktuelles klinisches Wissen auf dem neuesten Stand der Forschung durch die Anbindung an die psychiatrische Universitätsmedizin der Charité
- vermittelt psychiatrierelevantes aktuelles Wissen aus Pflegewissenschaft und Pflegeforschung
Ziele der Weiterbildung
- Entwicklung und Förderung pflegerischer Handlungskompetenzen
- Förderung der sozialpsychiatrischen Handlungskompetenz
- Förderung eines selbständigen Arbeitsstils
- Förderung von Selbstreflexion und Selbstwahrnehmung
- Förderung der Beurteilungskompetenz
- Sensibilisierung für die ethischen Problemfelder psychiatrischen Handelns
- Vermittlung einer therapeutischen Grundhaltung
- Förderung von Kompetenzen zu Kooperation und Teamarbeit
- Vermittlung von Kenntnissen über die Kontexte und Rahmenbedingungen der Psychiatrie
- Vermittlung von Kenntnissen über psychiatrische Versorgungsstrukturen
- Vermittlung von psychiatrierelevantem pflegewissenschaftlichen Fachwissen
- Vermittlung von aktuellem psychiatrischen Fachwissen
Inhalte
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Grundkurs
I. Kontexte der Psychiatrie
Modul 1: Geschichte der Psychiatrie
Modul 2: Psychiatrie und Gesellschaft
Modul 3: Rechtliche und gesundheitsökonomische Rahmenbedingungen
II. Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und Leiden
Modul 4: Menschen mit psychotischen und affektiven Störungen
Modul 5: Der abhängigkeitserkrankte Mensch
Modul 6: Der traumatisierte und persönlichkeitsgestörte Mensch
Modul 7: Neurosen, Ängste und Krisen
Modul 8: Der gerontopsychiatrisch erkrankte Mensch
Modul 9: Psychiatrische Probleme in verschiedenen Lebensphasen und –situationen
Modul 10: Die Perspektive der Psychiatrieerfahrenen
III. Pflege in der Psychiatrie
Modul 11: Pflegewissenschaftliche Grundlagen der psychiatrischen Pflege
Modul 12: Psychiatrische Krankheitsmodelle und Behandlungsverfahren
Modul 13: Bezugspflege in der Psychiatrie
Modul 14: Gruppenarbeit in der Psychiatrie
Modul 15: Umweltbezogene Aufgaben in der psychiatrischen Pflege
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Aufbaukurs
IV: Allgemeinpsychiatrische Vertiefung
Modul 16: Gesundheitsförderung und Prävention
Modul 17: Therapeutische Verfahren in der Pflege
Modul 18: Vertiefendes Kommunikationstraining
Modul 19: Ausgesuchte Konfliktsituationen in der psychiatrischen Pflege
Modul 20: Umgang mit Aggression und Gewalt in der psychiatrischen Pflege
Modul 21: Wertorientiertes Handeln und Qualitätssicherung in der Psychiatrie
Vermittlungsformen
- Seminare mit Vorträgen und Diskussionen
- Exkursionen zu ausgewählten Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung
- Projekte zu regionalen Versorgungsstrukturen
- Projektseminare zu klinischen und ambulanten Fragestellungen
- Workshops zu Methoden des Lernens und Arbeitens
- Trainings zum Einüben von Fertigkeiten in schwierigen Kommunikationssituationen
- Supervisionseinheiten zur Stärkung der Selbstreflexion
Gesamtumfang der Seminarveranstaltungen
880 Stunden
Praktika
- 2 klinische Praktika
- 2 Praktika im ambulant-komplementären Bereich
- 1 Projektpraktikum in der eigenen Einrichtung
- Dauer der externen Praktika: jeweils vier Wochen,
- Dauer des Praktikums in der eigenen Einrichtung: 3 Wochen
- Gesamtumfang der Praktika: 19 Wochen
Rahmenbedingungen
Die Weiterbildung findet berufsbegleitend über einen Zeitraum von 2 Jahren statt. Der theoretische Unterricht beginnt im September 2012. Er wird in einwöchigen Unterrichtsblöcken durchgeführt, die in einem monatlichen Turnus angeboten werden. Die Schulferienphasen sind bei der Planung berücksichtigt.
Staatliche Anerkennung
Die Weiterbildung führt zur staatlichen Anerkennung als Gesundheits- und Krankenpfleger/in für Psychiatrie, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in für Psychiatrie“ oder Altenpfleger/in für Psychiatrie“.
Die Konzeption der Weiterbildung ist auf der Grundlage des Gesetzes über die Weiterbildung in den Medizinalberufen (WbG vom 3.7.1995) und der Weiterbildungs- und Prüfungsverordnung vom 10. November 2009 des Landes Berlin erstellt. Die Weiterbildung ist vom Berliner Senat für Gesundheit und Soziales als Qualifikation anerkannt.
Zugangsvoraussetzungen
- abgeschlossene Ausbildung in der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege oder der Altenpflege
- zwei Jahre Berufserfahrung in der Psychiatrie
- Grundkenntnisse von Textverarbeitungsprogrammen (gegebenenfalls kann ein Kurs für die Gruppe angeboten werden)
Lehrgangsleitung
Dr. phil. Angelika Pillen
Lehrgangskosten
5120,- € (für 880 Unterrichtsstunden à 45 Minuten )
Beginn
September 2012


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